Haferflocken als Geschäftsgrundlage? Die Gründer von 3Bears überraschten die Löwen mit ihren Porridge-Rezepten und brachten zwei Juroren auf den Geschmack.

Caroline Steingruber und Tim Nichols sind nicht nur Geschäftspartner, sondern auch privat ein Paar. Gemeinsam haben sie fünf Jahre lang in Tims Heimat England gelebt– Caroline arbeitete in den Bereichen Marktforschung und Retail in der Konsumgüterbranche, Tim als Consultant im Bankwesen. Seit dem Umzug nach Deutschland bauen sie 3Bears auf, ein Food-Start-up, das sich um das Haferflockengericht Porridge dreht.

In der Höhle der Löwen hofften die beiden auf 150.000 Euro, dafür wollten sie 15 Prozent des Geschäfts abgeben. Frank Thelen und Judith Williams zeigten Interesse, doch sie verlangten 30 Prozent – für die gleiche Summe.

Warum sie sofort ja zu diesem Vorschlag sagten und wie es für 3Bears weiterging, berichtet Caroline Steingruber im Interview.

Frau Steingruber, Judith Williams und Frank Thelen halten jetzt gemeinsam 30 Prozent an ihrem Unternehmen, statt wie von Ihnen geplant 15 Prozent. Schmerzt Sie das?
Überhaupt nicht – und zwar deshalb, weil die beiden genau die Investoren waren, auf die wir es abgesehen hatten. Wir hatten uns die Expertise der einzelnen Juroren vorab genau angeschaut und die beiden sind stark in den Bereichen IT, Marketing und Vertrieb. Das ist genau das, was wir brauchen, um 3bears groß zu machen.

Dennoch haben Sie sich kurz zur Beratung zurückgezogen…
Wir hatten uns vorher eine Schmerzgrenze gesetzt und die lag eigentlich bei 25 Prozent. Als die beiden allerdings auf unseren Verhandlungsversuch nicht eingegangen sind, wollten wir sie trotzdem unbedingt an Bord haben und mussten nicht lange darüber nachdenken. Und mit der Entscheidung sind wir sehr glücklich. Wir stehen täglich im Austausch mit Judith und Frank und ihren Teams, bekommen viele Ideen und Tipps.

Sie leben zusammen und arbeiten zusammen. Ist das ein Vorteil oder ein Nachteil?
Man kann das bestimmt nicht auf alle Paare übertragen, aber bei uns ist es ganz eindeutig ein Vorteil. Das liegt sicherlich daran, dass wir beide sehr unterschiedliche Typen sind: Tim ist behutsam, ich bin schnell und impulsiv. Jeder hat seinen eigenen Schwerpunkt, was das Start-up angeht. Wir vertrauen dem jeweils anderen, was sein Wissen in diesem Bereich angeht, und versuchen uns nicht gegenseitig reinzupfuschen.

Was hat eigentlich die Familie Ihres Freundes gesagt, dass Sie ein typisch englisches Gericht in Deutschland populär machen wollen?
Herzlich gelacht haben sie, denn Tim ist ja mit Porridge aufgewachsen und fand ihn als Kind nicht wirklich lecker. Du musst ihn trotzdem essen, sagte seine Mutter dann, denn er gibt Energie. Dass wir rund um Porridge jetzt ein Geschäft machen, findet sie dementsprechend amüsant. Übrigens liefern wir jetzt seit einigen Wochen auch nach England, denn auch da ist die Nachfrage nach neuen Porridge-Varianten vorhanden. Und über Instagram und Facebook erreichen uns immer häufiger Anfragen aus Skandinavien und Osteuropa. Porridge erobert Europa, davon bin ich überzeugt. Unser Absatz jedenfalls steigt stetig. Wir haben in diesem Jahr bereits über eine Millionen Umsatz gemacht, seit dem Start 2016 haben wir bereits 300.000 Beutel Porridge verkauft. Seit diesem Monat können wir uns auch ein Gehalt auszahlen und von 3Bears leben – vorher haben wir auf unsere Ersparnisse zurückgegriffen und auf Geld, das wir beim Crowdfunding eingesammelt hatten.

Judith Williams hat während des Pitches angemerkt, dass die Produkte sehr hochpreisig seien. 
Das finden wir nicht. Wir haben uns sehr lange Gedanken um den Preis gemacht, aber wir liefern ein qualitativ sehr hochwertiges Produkt, dessen Zutaten größtenteils aus Deutschland kommen. Die Haferflocke, die Äpfel, die mindestens 30 Prozent Fruchtanteil haben, der Zimt – all das wird in Deutschland hergestellt und verarbeitet. Die Kokosnuss kommt aus Sri Lanka, die Datteln aus Tunesien, die Bananen werden von Hand geschält. Wir wissen, wo die Zutaten angebaut werden, und dass die Leute, die dort arbeiten, fair bezahlt werden. So etwas hat nun mal – auch für den Konsumenten – seinen Preis.

Carsten Maschmeyer lehnte ein Investment mit der Begründung ab, dass man Ihre Idee leicht nachmachen könnte. 
Das ist sicherlich richtig. Wenn ein Produkt erfolgreich ist, gibt es fast immer Copycats. Allerdings ist auch klar, dass ein Discounter, der das Produkt billiger verkauft, niemals die gleiche Qualität liefern kann. Und wir sind überzeugt davon, dass unseren Kunden die Qualität besonders wichtig ist.

Wie geht es für 3Bears weiter?
Ab sofort kann man unsere Produkte außer in unserem Online-Shop bei Real, Famila, DM Österreich und in ausgewählten Filialen von Rewe und Edeka kaufen. Anfang 2018 erscheint eine neue Sorte auf dem Markt – welche das ist, verraten wir aber noch nicht.

Essen Sie selbst noch Porridge?
Absolut. Zuletzt heute Morgen! Die Haferflocke langweilt uns noch nicht. Allerdings muss ich zugeben, dass ich manchmal mehr Hunger auf ein Rührei mit Lachs habe, aber wenn wir übers Wochenende Freunde zu Besuch haben, bestehen die häufig auf Porridge – da ziehen wir dann natürlich mit.