Konzerne suchen die Nähe zu Start-ups – ein Selbstläufer ist die Zusammenarbeit unter ungleichen Partnern nicht. Was sich junge Unternehmen wünschen.

Eine große grüne Anzeige, und das auf dem traditionell rot-weißen Internetportal der Deutschen Bahn. „Es gab tausend Gründe, warum das nicht möglich war”, sagte Michael Hübl, „aber eben auch einige, die sehr dafür sprachen.” Als Produktverantwortlicher und Mitgründer des Mobilitäts-Start-ups Flinc war er froh, dass die Ergebnisse der Kooperation zwischen dem Staatskonzern und dem jungen Unternehmen so prominent beworben wurde – selbstverständlich war das sicher nicht.

Beim Innovationsforum, zu dem die IT-Beratung Accenture am vergangenen Freitag geladen hatte, ging es um neue Ideen für Unternehmen. Und fast immer, so zeigte sich zumindest in den Statements der Vertreter von Großunternehmen, ist die enge Zusammenarbeit mit Start-ups ein elementarer Teil dieser Innovationsstrategie. „Neue Geschäftsmodelle werden wir nicht alleine aus dem Innern der Firma schaffen”, sagte Uli Huener, Head of Innovation beim Energiekonzern EnBW. Ob Acceleratorprogramm, Investment oder strategische Partnerschaft: Gerne schmücken sich die Großkonzerne mit Kooperationen zwischen klein und groß.

Doch immer wieder spüren Start-ups auch die Hürden, die bei der Zusammenarbeit unter ungleichen Partnern entstehen. Das wurde bei einer Diskussionsrunde unter jungen Gründern deutlich, die alle über reichlich Erfahrung in der Zusammenarbeit verfügen. Wenn etwa nach drei Monaten aus der Konzernzentrale Beschwerden kämen, dass die Ziele im Businessplan nicht exakt erreichten würden, sei das ein schlechtes Zeichen, so Hübl: „Wenn eines sicher ist im Start-up, dann dass wenig sicher ist – das sollte auch das Controlling wissen.“

Auch wenn sich die Konzerne durch die Zusammenarbeit mit jungen Unternehmen häufig in Sachen Tempo und Agilität lernen wollen, sind ihre Strukturen nicht immer darauf eingerichtet. Teilnehmer in München berichteten davon, dass etwa schlichtweg keine Verträge existierten, wenn es um den Bezug von Software aus der Cloud ging. Die schnelle Umsetzung wurde so ausgebremst, weil sich erst noch Einkaufs- oder Rechtsabteilung in den Prozess einklinken mussten. „Ich habe Unternehmen kennengelernt, die brauchen für eine Entscheidung länger als wir für die Produktentwicklung“, berichtet Hübl, „das ist schon eine Spaßbremse.”