In letzter Zeit musste Meike Haagmans das Scheitern guter Start-ups beobachten. Unsere Kolumnistin fragt sich, warum wir daraus immer noch so wenig lernen?

Mittwoch ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen und mit anderen Kuriositäten der Start-up-Szene. Heute widmet sie sich dem Thema Krise beim Gründen. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Von Meike Haagmans

Ist Facebook tot? Oder ist irgendein Vorkommnis an mir vorbeigezogen, welches eine kollektive Einfärbung der Profil- und Titelbilder ausgelöst hat?

Es muss Anfang Januar gewesen sein, als sich meine Startseite in eine auffallend schwarze Landschaft verfärbte. Erst bei genauerem Betrachten merkte ich, dass es eigentlich nur Fanseiten waren, die diese Farbe in ihren öffentlichen Profilen wählten, um irgendetwas auszudrücken. Es dauerte eine Weile, bis ich realisierte, dass es allesamt Startups waren, denen ich folgte, weil ich die Gründeridee spannend fand. Keine Fintechs, sondern kleine Unternehmen, bei denen man die Begeisterung der Gründer selbst durch die digitale Distanz spüren konnte. Ein Getränkehersteller, eine Eismanufaktur und ein Portal, das nicht stornierbare Reisen weitervermittelte. Und alle hatten eines gemeinsam, nämlich den Kommentar unter dem geänderten Bild: „Wir haben es leider nicht geschafft und stellen unseren operativen Betrieb ein“.

Gerade letzteres, das Reiseportal, hatte ich immer mit großem Interesse verfolgt. Nicht nur, weil unsere Gründungen aus der gleichen Branche stammten, sondern viel mehr, weil ich gegen das Gründerteam vor einem Jahr gepitcht und keine Chance gegen sie gehabt hatte. Beide absolvierten ein Studium an einer der Elite-Business Schulen in Deutschland, arbeiteten bei den renommiertesten Arbeitgebern und verfügten über hervorragende betriebswirtschaftliche und kommunikative Fähigkeiten. Ein Gründerteam, wie es im Buche steht. Und doch kamen auch sie letztlich nicht darum herum, nun ihre Fanpage zu färben.

Deutsch ist nicht skalierbar

Woran lag es? Die Geschäftsidee war schlüssig und kam an. Ein Inkubator erteilte ein Stipendium und einige Monate später nahm ein großes Accelerator-Programm das junge Unternehmen unter seine Fittiche und investierte. Mit der Investition kam auch das Mitspracherecht. Der ursprüngliche deutsche Name wurde internationalisiert. Deutsch ist nicht skalierbar – auch wenn der ursprüngliche Name mehr als passend war und Emotionen auslöste, die im touristischen Kaufprozess entscheidende Faktoren sind. Das gleiche geschah mit dem Logo. Verderben zu viele Köche doch den Brei?

Es ist ein allgemeines Sprichwort, dass eine Gründung ein Marathon und kein Sprint ist. Und trotzdem gilt oftmals: wachse schnell oder stirb schneller. Es gibt einen Faktor, der selten im Businessplan berücksichtigt wird: der lange Atem, den man für einen Marathonlauf braucht.

Für mich, als Herzblut- und nicht Exitgründerin, ist es schmerzhaft mit anzusehen, wie ein Unternehmen aufgibt, für welches hart gekämpft wurde und dessen Entwicklung man über Monate oder Jahre verfolgt hat. Wie mögen sich die Gründer dabei fühlen? Und ist die Rückkehr in die Festanstellung ohne Scham möglich? Wie tritt man den Zweiflern entgegen, die sich nun bestätigt fühlen? Der Schritt des Scheiterns ist sicher mindestens so schwer wie der des Gründens.

Start-ups machen immer wieder die gleichen Fehler

Obwohl sich in Deutschland ganz langsam eine Kultur des Scheiterns entwickelt, verschwindet ein Großteil der gewonnenen Kompetenzen in Schubladen in der Versenkung. Man spricht genauso ungern über das Scheitern, wie über das eigene Gehalt. Am ehesten wird noch das Gelernte in eine eigene Neugründung investiert, selten wird aber offen über diese Erfahrungen gesprochen. So werden die gleichen Fehler immer wieder begangen und junge Gründer werden versuchen, den Shootingstars der Branche nachzueifern, ohne von den Erfahrungen anderer profitieren zu können.

Einen Monat später sitze ich in einem Workshop bei dem Inkubator, von dem das Reiseportal sein erstes Stipendium erhielt. Es geht um Marken- und Patentrechte und eine Vorstellungsrunde dient dazu, kurz seine Geschäftsidee und sein Anliegen zu präsentieren. Neben mir sitzt ein junger Mann, der euphorisch von seiner Geschäftsidee berichtet: ein Portal für nicht stornierbare Reisen…